Säuglingstherapie nach Bobath und Vojta

Behandlungskonzepte nach Bobath und Vojta sind neurophysiologische Therapieformen, die wir in der Praxis konzeptübergreifend im Kontext mit kinderosteopathischen und sensorischen Integrationselementen kindzentriert anwenden.

Ich hatte das Glück, sowohl von Dr. h.c. Berta und Dr. med. Karel Bobath (Uniklinik Heidelberg) als auch von Prof. Dr. med. Václav Vojta (Kinderzentrum München) persönlich ausgebildet zu sein und bin meinen Lehrern mehr als dankbar.

Bobath

Die Konzeptentwicklung erfolgte ca. ab 1940 von Dr. h.c. Berta Bobath (Physiotherapeutin) und Dr. med. Karel Bobath (Neurologe und Psychiater). Es handelt sich dabei um ein interdisziplinär orientiertes Behandlungskonzept, welches von sensomotorischen Entwicklungsauffälligkeiten bis hin zu zerebralparetischen Störungen und Hemiplegien Erwachsener Anwendung findet.

Die Behandlungsprinzipien beruhen überwiegend auf Stimulation der Wahrnehmungssysteme und Etablierung des Körperschemas, wobei pathologisch, abnorme Bewegungsmuster inhibiert, d.h. gehemmt und physiologische Muster angebahnt werden.

Im sogenannten Handling werden abgestimmt auf Alter und Situation des Kindes, Eltern und Bezugspersonen von Beginn an in die Behandlung des Kindes integriert. Es gilt das Prinzip der »abnehmenden« Hilfe: So viel aktive Bewegung wie möglich – so viel unterstützende Führung wie nötig.

Vojta

Prof. Dr. med. Václav Vojta, Kinderarzt und Neurologe, entwickelte in den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts das Reflexlokomotionskonzept, systematische Frühdiagnostik von Haltungs- und Bewegungsstörungen im Säuglingsalter und deren ganzheitliche Behandlung. Im Gegensatz zu herkömmlichen Physiotherapien werden beim Vojta-Konzept Bewegungen weder geübt noch trainiert. Die Vojtatherapie regt vielmehr das Gehirn an, angeborene Bewegungsmuster zu aktivieren und koordiniert beispielsweise in Aufrichtungsprozess zu integrieren.

Die Aktivierung der Koordinationskomplexe Reflexumdrehen und Reflexkriechen erfolgt über Druckpunkte z.B. am Rumpf oder den oberen oder unteren Extremitäten. Die in ihren funktionellen Zusammenhängen bewusst nicht steuerbare Muskulatur, besonders an der Wirbelsäule, aber auch an Armen und Beinen, Händen und Füßen, sowie im Gesicht werden dabei gesetzmäßig und zielgerichtet aktiviert und damit der Reifungs- und Wachstumsprozess im Sinne einer Bahnung behandelt und unterstützt.